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Schwarze Wolken am Horizont
Die ÖVP verliert laufend an Boden. Noch im September lag die ÖVP bei 24 Prozent, im Oktober nur mehr bei 22 Prozent, und nun kratzt man gerade noch an der 20-Prozent-Marke. Das ist kein statistischer Ausreißer, das ist eine signifikante Veränderung. Nicht, dass es nicht wieder nach oben gehen kann, aber derzeit erscheint die Situation düster. Die Gründe dafür sind nicht so einfach festzumachen. Die Verluste nur auf den Burger-Sager von Karl Nehammer zurückzuführen, wäre zu simpel. Es sind die nationale und internationale Gesamtgemengelage, fehlende Führungsqualität und der Verlust an Glaubwürdigkeit. Die letzte Hoffnung der ÖVP ist, dass die Kanzlerfrage entscheidend wird, denn Karl Nehammer hat im Vergleich zu seiner Partei die besseren Karten gegenüber dem Mitbewerb. Vielleicht ist die ÖVP aber in den Umfragen auch unterdeklariert, wie schon bei den vergangenen Landtagswahlen. Aber das wissen wir immer erst am Wahltag.
Rest auf 100%: k. A., Methode: Kombination telefonische und Online-Befragung Zielgruppe: Österr. Bevölkerung ab 16 Jahren, Max. Schwankungsbreite der Ergebnisse: +3,5 Prozentpunkte, Sample: n= 800 Befragte, Feldarbeit: 6.bis 9. November 2023
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Laut profil-Umfrage würden 20 Prozent Herbert Kickl zum Kanzler wählen. Karl Nehammer und seine ÖVP stürzen ab.
11.11.23
Man muss es als Zäsur in den profil-Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Unique research einstufen: Erstmals liegt FPÖ-Obmann Herbert Kickl in der fiktiven "Kanzler-Frage" allein an erster Stelle. Könnten die Österreicherinnen und Österreicher ihren Regierungschef direkt wählen, würden 20 Prozent für Kickl stimmen, nur noch 16 Prozent für ÖVP-Obmann Karl Nehammer und 13 Prozent für SPÖ-Chef Andreas Babler.
In der aktuellen Sonntagsfrage bleibt die FPÖ bei 32 Prozent und liegt damit neun Prozentpunkte vor der SPÖ, die die ÖVP (20 Prozent) vom zweiten Platz verdrängt. Die Grünen liegen bei neun Prozent, Neos bei zehn Prozent. Die Kommunisten würden mit drei Prozent den Einzug in den Nationalrat verfehlen.
Anti-Kickl-Zweckbündnis
Kickls Vorsprung ist aus heutiger Sicht so groß, dass er unter normalen Umständen nicht mehr einzuholen ist. In dieser Ausgangssituation geht es für Nehammer und Babler darum, zumindest zweiter zu werden, um in der Folge von Alexander Van der Bellen einen Regierungsbildungsauftrag zu erhalten. Denn der Bundespräsident signalisierte mehrfach, Kickl als Kanzler abzulehnen. Stattdessen könnte er den Chef der zweitstärksten Partei, aus heutiger Sicht Andreas Babler, damit beauftragen, eine Dreier-Koalition mit der ÖVP sowie mit Neos oder Grünen zu formen.
Aktuell käme Babler mit ÖVP und Neos auf 53 Prozent, mit ÖVP und Grünen auf 52 Prozent. Voraussetzung für eine Dreier-Koalition wäre die Einigung von SPÖ und ÖVP auf ein gemeinsames Programm. Doch derzeit liegen die inhaltlichen Vorstellungen - etwa bei Vermögensteuern - weit auseinander. Die FPÖ darf also damit rechnen, dass ein Anti-Kickl-Zweckbündnis wegen unüberbrückbarer Differenzen erst gar nicht zustande kommt oder bald wieder scheitern würde.
Corona wirkt nach
Jahrelang agierte der FPÖ-Obmann in der zweiten Reihe. Bei den ersten großen Protestveranstaltungen gegen die Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2021 entdeckte Kickl seine Eignung zum Volkstribun. Wie die profil-Umfrage zeigt, profitiert der FPÖ-Obmann von den Nachwirkungen der Pandemie. 50 Prozent der blauen Wählerinnen und Wähler geben an, die Corona-Krise würde ihr Wahlverhalten beeinflussen. In der Gesamtbevölkerung sind es 29 Prozent.
Wenn SPÖ-Chef Andreas Babler glaubt, mit populär anmutenden Vorschlägen punkten zu können, liegt er nur teilweise richtig. 54 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher halten laut profil-Umfrage nichts davon, Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, nachzuholen. Nur SPÖ-Wähler und 16- bis 29-Jährige befürworten mit einer deutlichen Mehrheit diese Forderung der Sozialdemokraten.
Lager-übergreifende Gemeinsamkeit herrscht in der Beurteilung der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine. Eine Mehrheit in jeder Partei - im Bevölkerungsschnitt 64 Prozent - sieht die weltpolitischen Entwicklungen mit Besorgnis und befürchtet größere negative Auswirkungen auf Österreich.
Erwähnungen in weiteren Medien
Online
Disclaimer:
Institut/Feldarbeit: Unique Research/ Jaksch & Partner/ Talk Online Panel GmbH
Zielgruppe: Wahlberechtigte ÖsterreicherInnen
Befragungsmethode: Methodenmix telefonische und Online-Befragung
Stichprobengröße: n= 800
Max. Schwankungsbreite n= 800: +/- 3,5 %
Deklarierte: n= 608
Max. Schwankungsbreite n= 608: +/- 4,0 %
Untersuchungszeitraum 6. bis 9. November 2023
Wortlaut: „Angenommen, am nächsten Sonntag wären Nationalratswahlen, welcher Partei würden Sie da Ihre Stimme geben?“ (Parteien mit Spitzenkandidaten rotierend vorgelesen)
Stichprobengrundlage: Öffentliches Telefonverzeichnis, institutseigene Datenbanken, Panel Talk Online Panel GmbH
Stichproben-Methode: vorgeschichtetes Randomverfahren
Gewichtungsverfahren: nach Geschlecht, Alter, Bildung, Bundesland und Recall NRW 2019, Geschlecht x Alter, Geschlecht x Bundesland (Quelle: Statistik Austria / BMI)
Quotenplan: nach Geschlecht, Alter, Bildung, Bezirk, Geschlecht x Alter x Bundesland, Bildung x Bundesland (Quelle: Statistik Austria)
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